Studie: Einsatz von Open Source Software in Unternehmen

Eine kürzlich erschienene Studie zur Verwendung von Open Source Software in Schweizer Unternehmen und Behörden: die von der SwissICT beauftragte “Open Source Studie Schweiz 2012” besagt:

(…) dass mit 93% bei nahe alle befragten Organisationen bewusst Open Source nutzen, bei großen Unternehmen und Behörden sind es sogar 100% der befragten Entscheidungsträger. Dies zeigt auf, dass der Einsatz von Open Source eine Normalität ist. Es stellt sich also nicht mehr die Frage ob, sondern wie Open Source Software optimal eingesetzt wird.

(…) substanzielle Einsparungen von 10% bis über 30% werden jedoch vor allem für die Zukunft erwartet.

(…) die immer noch vorhandenen Barrieren insbesondere bei den Behörden ungeklärte Haftungsfragen und generell der Mangel an kommerziellen Dienstleistern …

(Open Source Studie Schweiz, S.5, (Download PDF))

Die in der Studie befragten Unternehmen kommen zum Großteil aus der Informatik, öffentlichen Verwaltungen und nur etwa zu einem Viertel aus diversen anderen Branchen, daher wird die bewusste Verwendung von Open Source Software nicht ganz so flächendeckend sein, wie von der Studie angezeigt. Trotzdem ist die Studie meines Erachtens sehr lesenswert und reich an detaillierten Erkenntissen zu Vorteilen, Erwartungen sowie Barrieren bei der Einführung und Verwendung von Open Source Software. Ich möchte hier auf einige wenige Aspekte hinweisen, die  für kleinere Unternehmen und/oder IT-Anwender wesentlich scheinen.

Studienergebnisse: Vor- und Nachteile

Die wichtigsten Vorteile sind nach der Studie insgesamt:

  1. Unterstützung von offenen Standards und Schnittstellen
  2. Kosteneinsparungen (keine Lizenzkosten, höhere Verhandlungsstärke)
  3. Unabhängigkeit von Lieferanten (Senkung Vendor Lock-In)

Für kleinere Unternehmen (MitarbeiterInnen <50)  ist der vor allem der Kostenfaktor entscheidend. Sie konnten zu einem Viertel über 20% an Kosten einsparen, ein weiteres Viertel sparte zwischen 10% und 20%. Größere Unternehmen setzen den Kostenfaktor vor allem als Druckmittel bei Verahandlungen mit kommerziellen Anbietern ein. Aber die Erwartungen für die Zukunft sind bei vielen noch höher: etwa ein Drittel erwartet eine Einsparung von über 20%.

Die Nachteile, die eine Adoption von Open Source erschweren, sind nach dieser Studie:

  1. Keine oder unklare Lieferantenhaftung
  2. Mangelnder kommerzieller Support, keine Enterprise Version
  3. Mangelnde Benutzerakzeptanz
  4. Mangel an internem Open Source Know-How
  5. Fehlende Features und Schnittstellen zu anderen Systemen

Der für große und/oder Anwender-Unternehmen zentrale Mangel an kommerziellem Support bedeutet für kleinere Unternehmen das Fehlen von Schulungsangeboten für ihre MitarbeiterInnen.

Welche Potentiale sind noch zu realisieren?

Obwohl die Studie eine sehr hohe Durchdringung von Open Source Software in Unternehmen nachweist, sind ihre Anwendungen eher generisch denn fachspezifisch (d.h. Programmiersprachen, Datenbanken, Webserver, Betriebssysteme bzw. (Web-)Content Management.

Nachholbedarf gibt es sicher – auch für kleine Anwender-Unternehmen – im Bereich fachspezifischer Anwendungen, etwa Dokumentenmanagement, ERP oder CRM-Systeme. Hier ergäbe sich auch für open source IT-Anbieter die Möglichkeit einer sektorialen Zusammenarbeit zur Herstellung vertikaler Softwarekomponenten.

 

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